WEIHNACHTLICHE NEKROMANTIK

Gepostet von am Dez 5, 2012 | 3 Kommentare

WEIHNACHTLICHE NEKROMANTIK

„Einen schönen 1. Advent :)“

– „Troll mich nicht, sonst gratuliere ich dir zum Zuckerfest.“

Und das war sein ernst. Wieso sollte mir jemand zu Weihnachten gratulieren? Wo ich doch mit Gott und sowas offenkundig keinen Kontakt pflege. Auch zu Weihnachten nicht.

Weihnachten hat viele Ebenen, werden jetzt einige sagen. Und es ist ja auch kein Geheimnis, dass wir hier in Mitteleuropa Weihnachten echt gerne haben, auch wenn das nicht wegen des Festes an sich der Fall ist. #diedeutschen lieben ihr Weihnachten. Sie lieben Lebkuchen und Glühwein, lieben Orangen, Mandarinen, Lametta, sie lieben WHAM!, Adventskalender und Geschenke. Und die Industrie liebt den Mitteleuropäer. Jedenfalls augenscheinlich. Egal. Wechselseitigkeit is highly overrated.

Klar, wenn man nach Weihnachten fragt gibt es neben den oben genannten Worten auch immer ein Begriff, der in direktem Zusammenhang mit dem Fest der Liebe steht: Besinnlichkeit. Einerseits ist es bezeichnend für eine Gesellschaft, wenn sie ein kommerzielles, stressbeladenes, mehrwöchiges Happening braucht, um wenigstens „einmal im Jahr“ abschalten zu können. Andererseits scheint es wie eine dummdreiste Lüge, denn die Selbstmordrate schnellt in der Weihnachtszeit dramatisch nach oben.

Planungswahnsinn ab Anfang November. Dinge müssen schnell erledigt werden, bald ist ja Weihnachten. Man könnte meinen danach käme nichts mehr. Gute Vorsätze sind schließlich auch nur vor dem Jahreswechsel in aller Munde.
Kommt aus den bisherigen Zeilen deutlich genug hervor, dass ich Weihnachten aus kommerziellen Gesichtspunkten heraus verachte? Ich hoffe doch, denn ich muss hinzufügen: Eigentlich verachte ich es auch aus religiösen. Jetzt ist der christliche Grundgedanke schon ganz in Ordnung und ich erkenne an, dass der Humanismus #denchristen einiges zu verdanken hat, aber…

…es spielt heute schlicht keine Rolle mehr. Mal ganz davon abgesehen, dass Humanismus heute inhaltlich ohne hin niemanden interessiert, ist auch der religiöse Gedanke hinter dem Beschenken irgendwann abhanden gekommen (danke Coca Cola!) und das wäre an und für sich auch absolut kein Problem für mich – im Gegenteil. Wenn doch nur nicht alle weiterhin so tun würden, als hätte es irgendeine Relevanz, dass der liebe Gott Maria geschwängert hat, um Jesus am 24. in diese nur allzu menschliche Welt zu entlassen.

Seien wir doch mal ehrlich: Weihnachten wurde bis zu seinem inhaltlichen Tod missbraucht. Auch der inkompetenteste Mediziner könnte das zweifelsfrei feststellen. Das was #wir feiern ist nur noch der schändliche Überrest eines Indoktrinationswerkzeug/Festes in dem es eigentlich um den Grundgedanken der humanitären Weltanschauung geht. Nächstenliebe.

Das Gute kann aber nicht einfach nur in Maßen genossen werden. Es muss in Massen verschlungen werden, vereinnahmt werden. Bis nicht mehr davon übrig bleibt, ist also ein lebloser Haufen Kaputtheit. Wie sexueller Missbrauch mit Todesfolge. Und die Leiche wird jetzt jedes Jahr aufs neue gefleddert. Pain in the ass.
Bild: Brock Boland 

3 Kommentare

  1. This Blog is dead? INTERMOVIESESSION PLEASE!

  2. Weihnachten interessiert mich persönlich recht wenig. Meine Eltern jedoch besteht darauf, zu Weihnachten zu schenken, bzw. beschenkt zu werden, weil, nunja, weil es eben normal ist. Dass das ganze irgendetwas mit der Geburt Jesu zu tun hat, wissen sie nichteinmal. Darauf, dass die ganze Familie Weihnachten zusammen verbringt bestehen sie ebenfalls, auch etwas, worauf ich nicht alzu viel gebe. Übrigens, wenn ihr euch über den Kommerz von Weihnachten beschwert, tut das dann bitte auch bei Ostern und Sylvester, okay?

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