THIS TOWN AIN’T BIG ENOUGH FOR BOTH OF US

Gepostet von am Nov 30, 2012 | 1 Kommentar

THIS TOWN AIN’T BIG ENOUGH FOR BOTH OF US

Das Leistungsschutzrecht jagt mich in einen riesigen innerlichen Konflikt.

Einerseits zeigt mir die populistische Kampagne von Google, dass es aus der Perspektive des großen „G“s wohl keine wirklich uneigennützigen Argumente dagegen gibt, andererseits geht es mir mit der Propaganda der Printmedien genauso. Die Branchen entlarven sich als böse. Be evil, seem smart. Es ist ein Kampf der Branchen in einer Zeit, in der industrielle Traditionen enorm im Umbruch sind. An Transparenz ist, orientiert am Trend der Zeit, niemand interessiert. Nur an Lobbyarbeit und dabei geht es, wie wir alle wissen, eben nicht um Transparenz.

Ich bin schon der Meinung, dass Google etwas von dem Kuchen abgeben könnte, da sich Googles Dienstleistung tatsächlich auf die Arbeit anderer gründet. Das Problem ist aber die gewachsene Struktur. Natürlich hat Google selbst Einfluss auf diese Struktur, dennoch stelle ich die These auf, der Mentalitätswandel, der sich in den letzten Jahren durch nahezu bedingungslosen Informationszugang entwickelt hat, ist ein Prozess, dessen Eigendynamik für eine gewisse gesellschaftliche Authentizität sorgt. Die Inhalte sind ja kostenlos verfügbar, dann liegt es auch nahe, sie nach dem Grundgedanken des Internets zu teilen und zu verbreiten.

Andererseits ist knapp 30% des Umsatzes des Internetgiganten Reingewinn. Es würde ihnen also nicht weh tun, ein bisschen was davon abzudrücken. Dieses Problem lässt sich aber mit einem Leistungsschutzrecht im Sinne der Printindustrie nicht nachhaltig lösen. Das Max-Planck-Institut unterstützt die Kritik und formuliert zusammenfassend in einer Stellungnahme zum entsprechenden Gesetzesentwurf:

Der Bedarf für ein solches Schutzrecht wurde bislang in keiner Weise
nachgewiesen. Es besteht die Gefahr unabsehbarer negativer Folgen.

Die Papiermedien haben, wie die Musikindustrie, den Wandel zur Informationsgesellschaft verschlafen und erwarten jetzt, dass das bisherige Geschäftsmodell, wider des gesellschaftlichen Wandels, auf Kosten jener Strömungen weiterhin auf Biegen und Brechen verteidigt werden soll. Mit der selbstverständlichen Erwartungshaltung, die Umwelt müsse sich ihnen anpassen und nicht umgekehrt.

Ich will Google nicht als Heilsbringer darstellen, dieser Konzern ist besorgniserregend mächtig und letztlich schlicht auch ein profitorientiertes Unternehmen. Aber nach 15 Jahren plötzlich die Erwartung zu formulieren, the big G soll sein Geschäftsmodell, das näher am Zeitgeist ist als die großen Printmedien, grundlegend ändern, ist sicherlich kein zukunftsorientierter Weg – und zwar für keine der beiden Branchen. Die Printmedien sind und werden in naher Zukunft auch noch krasser auf Suchmaschinen angewiesen sein. Sehr zu empfehlen ist in diesem Kontext die letzte Lobo Kolumne auf SpOn.

Eins ist aber klar: Mit dem angedachten LSR wäre dieser Artikel so nicht risikofrei möglich gewesen.

 

Bild: xddorox auf Flickr

1 Kommentar

  1. Man kann an Googles Position schlecht rütteln, es ist nunmal nicht von der Hand zu weisen, dass Verlage vor komplexeren Problemen stehen als der Profitgier einer Suchmaschine.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *