TALES OF MERE EXISTENCE

Gepostet von am Apr 19, 2012 | 1 Kommentar

TALES OF MERE EXISTENCE

Lev Yilmaz’ Tales Of Mere Existence beweisen einmal mehr, dass wirklich gute, multimediale Unterhaltung heute fast nur noch im Internet zu finden ist.

Innerhalb von wenigen Minuten beschreibt Yilmaz  mit seinen selbst vertonten Comics sehr treffend und punktgenau unser alltägliches, menschliches (Fehl)Verhalten. Lebenssituationen werden komprimiert und nüchtern bis bedrückend zur Schau gestellt. Er seziert diese förmlich, allerdings ohne sie positiv oder negativ zu bewerten.

Es gelingt ihm erstaunlich gut, den Zuschauer dazu zu bringen, sich selbst wieder zu erkennen und eine Mischung aus Verwunderung und Selbstzweifel bei diesem zu hinterlassen. Ausdruck findet dies meistens in einem Schmunzeln über sich selbst und dem Gefühl, von Yilmaz ertappt worden zu sein.

Die Episoden veranschaulichen sehr prägnant verschiedene Situationen des Alltags, Konfrontationen mit dem eigenen Umfeld, speziell aber die Konflikte mit sich selbst. Lev Yilmaz verarbeitet dabei nicht selten Aspekte seiner eigenen Jugend und Gegenwart.

Zentrale Themen sind unsere Selbstzweifel, die Gesellschaft, kulturelle WidersprücheBeziehungen und die Familie. Die Eigenheiten der Geschlechter beispielsweise werden dermaßen pointiert und oftmals zynisch dargestellt, dass man am Ende nicht mehr weiß, ob man nun lachen oder den Kopf schütteln möchte. Tagtägliche Zwänge, Verhaltensmuster, Kuriositäten als auch Stereotypen unseres gesellschaftlichen, familiären, generell menschlichen Umfelds werden auf ganz banale aber eindringliche Art beschrieben. Der Missmut umschnürt viele Folgen bis der Knoten der Selbsterkenntnis letztlich platzt. Was bleibt, ist trotz allem meistens ein positives Gefühl.

Der simple, aber auf seine Weise ausdrucksstarke Zeichenstil wird durch die monotone und vom Alltag erschöpft wirkende Stimme Yilmaz’ perfekt ergänzt. Es entsteht das Gefühl, das Leben, das man vermeintlich verstanden hatte, nochmal erklärt zu bekommen. Die Märchen der bloßen Existenz erzählen aber nichts Neues.

Sie öffnen uns lediglich die Augen, um uns etwas aufmerksamer zu machen.

 

 

Bild via www.tvadio.com
Slider via www.belowthelion.co.za

1 Kommentar

  1. Hello. And Bye.

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