SCHNELLER ALS NEUTRINOS

Gepostet von am Feb 25, 2012 | 2 Kommentare

SCHNELLER ALS NEUTRINOS

Der Barkeeper sagt: „Tut mir leid, wir bedienen keine Neutrinos, die schneller sind als das Licht.“ Ein Neutrino kommt in eine Bar.

Letzten September hörte man unglaubliches aus der Schweiz. Im Teilchenbeschleuniger des CERN hatte man Neutrinos auf die Reise nach Italien geschickt und tatsächlich festgestellt, dass die Dinger sich mit Überlichtgeschwindigkeit bewegten. Sie waren einfach früher am Ziel, als es sein durfte.

Dabei hatten wir doch alle in der Schule gelernt: Nichts ist schneller als das Licht! Gar Nichts! Auch nicht das Scheinwerferlicht des Autos, das mit Lichtgeschwindigkeit fährt. Das sagt uns die Relativitätstheorie.

Nun ist die Relativitätstheorie nicht irgendeine Theorie. Sie ist nicht nur die Basis von jeglicher Art moderner Physik, sie ist auch eine der am besten überprüften Theorien. Seit ihrer Formulierung und verstärkt seit dem Beginn der Weltraumforschung wurde diese Theorie noch und nöcher überprüft und validiert. Immer behielt Einstein Recht.

Aber jetzt hatte man diese Ergebnisse. Und eine Theorie hält eben nur so lange, bis eine Beobachtung diese Theorie falsifizieren kann. Die Wissenschaftler bewiesen also Mut, indem sie eine eigentlich „bewiesene“ Theorie mit einem aufwändigem Experiment zu überprüfen versuchten.

Die Forscher am CERN wiederholten das Experiment natürlich, mit gleichem Ergebnis, und entschlossen sich schließlich an die Öffentlichkeit zu gehen.

Was danach passiert ist, hat sicher  jeder mitbekommen. Die Geschichten nahmen wunderbarerweise zwei typisch unterschiedliche Pfade. Auf der einen Seite hieß es recht unkritisch in den Medien, dass zum ersten Mal ein Fehler in Einsteins Theorie gefunden wurde. Dass die Welt der Physik ins Wanken gerate. Dass gar alle Physik umgeschrieben werden müsse.

Auf der anderen Seite waren da die Physiker und Wissenschaftler, die von Beginn an einen Fehler annahmen. Und so weit ich das verstanden habe, war die Verkündung des CERN auch eher ein „Hilfe, überlichtschnelle Neutrinos! Wo ist der Fehler?“ als ein „Einstein lag falsch!“.

Nun scheint klar zu sein, wo der Fehler lag. Eine defekte Kabelverbindung erzeugte anscheinend falsche Messergebnisse. Klingt peinlich, wäre es auch. Eine andere Fehlerursache könnte eine defekte Uhr sein.

Ja, die Wissenschaft besteht aus Trial&Error. Ja, Wissenschaftler sollten auch den Mut haben, mit schockierenden Erkenntnissen an die Öffentlichkeit zu gehen. Aber musste es denn sein, dass man mit dieser Aktion den Ruf der Wissenschaft aufs Spiel setzt? Immerhin ist das CERN ein unfassbar teures Projekt. Und das ist es auch wert.  Allerdings frage ich mich, warum die Überprüfung der Testgerätschaften nicht zu den ersten Dingen gehört hat, nach diesen unglaublichen Ergebnissen.

Der Bau des Teilchenbeschleunigers LHC am CERN hatte im Grunde einen Zweck: Bahnbrechende neue Erkenntnisse für die Physik. Wie wird die Welt der Wissenschaft und die Öffentlichkeit das nächste Mal reagieren, wenn es wieder heißt: „Bahnbrechende Neuigkeit aus dem CERN“?

Wenn man es wirklich für möglich hält, die Welt der Physik ins Wanken gebracht zu haben, sollte man doch bitte vorher alle Stecker festrütteln und die Uhren checken. Alles andere ist unseriös.

 

Bild: Flickr (by cromo)

2 Kommentare

  1. so true!

  2. So teuer war der LHC doch nicht 3 Milliarden €O0O
     

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