NEUGIER

Gepostet von am Aug 14, 2012 | 4 Kommentare

NEUGIER

„Wenn mir die NASA ein One Way Ticket anbieten würde, ich würde es nehmen. Ich würde auf den Mars fliegen und dort sterben, weil man mich nicht zurückbringen kann. Aber was soll es denn schon erhabeneres geben, als dieses Gefühl?“, schrieb mir Jackson McSon, ein sehr besonnener und zielstrebiger Mann, neulich per Kurznachricht. Dazu ein Bild des Sonnenuntergangs auf dem Mars.

Ich verstand ihn sofort.

Der Rover ist nun ganz alleine da oben. Curiosity ist kein Lebenwesen. Nichts, das denkt oder fühlt. Die Sonde ist eine Maschine. Ein Roboter, der sich ohne jeden Willen, ohne jede Emotion auf einem Planeten bewegt, den bisher noch kein Mensch betreten hat. Curiositiy staunt und fürchtet sich nicht. Die Sonde ist ein rastloser, fremdgesteuerter Diener, dem weder Schönheit, Einsamkeit noch Gefahr ein Begriff ist. Erschöpfung ist ihm fremd und so erkundet der Rover unermüdlich das Unbekannte, und lässt uns durch seine kalten Augen sehen, und von einem noch kälteren Ort träumen.

Doch warum mit ihm tauschen? Warum den sicheren Tod in Kauf nehmen, um einen toten Ort besuchen? Den Blick auf rotes Gestein so weit das Auge reicht. Erbarmungslose Kälte. Einsamkeit. Eine endlose Wüste. Wie kann man dieses einmalige Erlebnis, einen womöglichen einzigen Augenblick, gegen sein ganzes Leben eintauschen wollen? Nun, vielleicht weil es wirklich nichts erhabeners für einen kleinen, verglichen mit dem Universum, bedeutsungslosen Menschen geben kann, als in diesem Leben einen Planeten zu betreten, der es uns nicht gestattet, auf ihm zu wandeln.

Mars, der rote, der vierte Planet unseres Sonnensystems birgt, so scheint es, eine gewisse Hoffnung. Die Hoffnung auf weiteres Leben im Universum und auch die Hoffnung auf einen neuen Lebensraum. Besonders letzterer Aspekt konnotiert den Namen der Sonde „Neugier“ auf herbe Art und Weise. Denn die menschliche Neugier ist untrennbar mit der Gier an sich verbunden. Der Mensch gibt sich nicht mit dem bloßen Entdecken zufrieden. Er möchte besitzen.

Doch was bedeutet es nun, auf dem Mars stehen zu wollen, den Blick auf den Sonnenuntergang gerichtet, wissend, dass man nicht mehr zurückkehrt? Ist man in höchstem Maße neugierig? Selbstlos? Gar lebensmüde? Oder muss man aber, getrieben von einem seltsamen Egoismus, vielleicht schon von persönlicher Gier sprechen? Möglicherweise weder noch. Es scheint um ein Gefühl zu gehen, das höchstwahrscheinlich von nichts auf dem Planeten Erde ausgelöst werden kann. Von nichts als einem weiteren, noch unbekannten Planeten selbst.

 

 

Wir suchen seit jeher nach dem Göttlichen. Nach Antworten, nach Wundern. Dabei übersehen wir vorschnell, dass diese bereits existieren. Und zwar im gesamten, weitestgehenden unbekannten Universum, welches in seiner Größe und Beschaffenheit selbst schon als göttlich bezeichnet werden kann. (Gerne auch von Atheisten.) Doch auch was wir bereits wissen, ist nicht weniger beeindruckend. Die größte, uns bekannte Sonne oder der höchste, bekannte Berg im Sonnensystem, der sich zufälligerweise auf dem Mars befindet, machen uns unsere doch sehr kleine Größe bewusst.

Vielleicht fühlten wir diese Bedeutungslosigkeit erst recht, stünden wir neben dem ca. 26 km hohen Olympus Mons (Mount Everest 8848 m) alleine auf dem Mars. Möglicherweise ist aber auch Gegenteiliges der Fall. Vielleicht beflügelte und erfüllte uns in der kalten Einsamkeit des roten Sands jenes erhabene Gefühl, von dem Jackson McSon sprach.

 

Weitere Gedankenanregungen zum Universum gibt es hier.

4 Kommentare

  1. Ein bißchen Klugscheissern:
    Curiosity ist ja zum Glück nicht allein. Da laufen ja immer noch Spirit und Opportunity herum, Pathfinder ist leider nicht mehr erreichbar ebenso wie viele andere Sonden. Zwar sind Spirit, Opportunity und Curiosity weit von einander getrennt, hab keine Ahnung wer wo Fährt und welche Verkehrsregeln dort herrschen, aber vielleicht können die durch die 3 Satelliten miteinander Kommunizieren, nachdem Dem Rover Curiosity nochmals nach der Landung ein neues Betriebsystem aufgespielt wurde mit Heimweh und unterhaltungswert. Vielleicht gehorch er dann wie ein Hund aufs Wort: macht Rolle, holt Steinchen, macht Männchen und stellt sich tot. Schließlich ist er für eine Längerfristige Missionierung des roten Planeten vorgesehen als seine Vorgänger, Vorfahrer. Aber eine Planung für eine Menschliche Marsmission oder Besiedelung, sehe ich eher Kritisch. Obwohl es vergleichbar mit der Mondlandung eine Erhebliche HErausforderung für die Menscheit wäre (Schon allein „Mars 500“ ist ein Extremum) und eine hoffentlich ebenso Mindbreaking, persektivenerweiterten Blick auf uns und unsere Welt wäre, habe ich eher Mitleid mit den Hinfliegende und sehe sie gegen die Strahlenkrankheit und Strahlentot ankämpfen, aufgrund des fehlenden Planetaren Magnetfeldes des Mars. Aber persönlich vorgetragene Erfahrungs- und Reiseberichte von rückkehrenden Abend-Teuer haben schon vor hundert Jahren die Menschen nicht nur fasziniert, sondern auch begeistert, beflügelt und mit stolz erfüllt zu was man in der Lage ist. Also auf zum Mars und die Schokoladenriegel nicht vergessen.

  2. Eine kurze Assoziation zum Tod von Neil Armstrong:
     
    http://9gag.com/gag/5147645
     
     

  3. Sind solche Ideen eigentlich realistisch? Der Mars hat kaum Atmosphäre, die Temperaturen schwanken in einem Maße, dass wir kaum Zeit haben, uns darüber zu beklagen, bevor der Tod uns einholt. Jegliches Leben kann sich nur in riesigen Gebäuden oder Gewächshäusern abspielen. Alles, was wir dort tun wollen, kann sich nicht außerhalb dieser Schutzvorrichtungen bewegen. Ist das wirklich, was wir wollen? Wollen wir in dieser Einöde wirklich leben?

  4. Hello. And Bye.

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