Gesehen: THE DARK KNIGHT RISES (2012)

Gepostet von am Jul 26, 2012 | Keine Kommentare

Gesehen: THE DARK KNIGHT RISES (2012)

Nomen est omen: Nachdem der „schwarze Ritter“ gefallen ist, obwohl er Gotham City von den wahnsinnigen Machenschaften des Anarcho-Terroristen Joker befreit hat, wird Batman nun aufsteigen – zum Symbol des Friedens und der gesellschaftlichen Sicherheit und zur Lüge eines Christopher Nolan, der seinem Helden am Ende des ersten Sequels so etwas wie Ambivalenz, also einen Hauch Tiefgründigkeit schenkte, nur um diese in seinem Abschluss-Statement einer, nun ja, teils soliden („Begins“), teils durchdachten („Falls“) Comic-Trilogie wieder zu verspielen. „The Dark Knight Rises“ nämlich ist ein Film, der behauptet, keine Adaption, die über die Komplexität ihres Helden auch nur im Geringsten Bescheid weiß. Alles, was Nolan über Bruce Wayne und dessen Alter Ego Batman proklamiert, sind reine Vermutungen, Oberflächlichkeiten, wenn man so will, die inmitten eines nach technologischen Spielereien eifernden Actionfeuerwerks zeitweise völlig untergehen.

Selbst wenn die Filme, und ganz besonders der jetzige, etwas über Batman erzählen wollen, sie schreien uns ihre Behauptungen an den Kopf. Denn Nolan sind subtile Gesten kein Begriff. Der Mann hält sein Publikum für blöd; dies stellte er bereits mit seinem ach so intelligenten Blockbusterretter „Inception“ zur Schau, als er den Kinogängern weismachen wollte, sie würden einen smarten Film mit intellektueller Substanz sehen. Über das Innenleben seines traumatisierten Antihelden allerdings, über die gesellschaftliche Isolation eines Batman und vor allem die eines Bruce Wayne, über die Frage nach der eigenen Identität und die der Bösewichte (die alle nach den gleichen Mustern gestrickt und weit davon entfernt sind, Ambiguität zu besitzen) können uns diese Filme nichts erzählen. Und schon gar nichts, was wir nicht bereits von Tim Burton und  seinem meisterlichen, durch und durch virtuosen „Batman Returns“ kennen.

Bei „The Dark Knight“ funktionierte diese fragwürdige Vorgehensweise noch wunderbar, weil Nolan seinem nebulösen Protagonisten einen Gegenspieler zur Seite stellte, der im Nolanschen Verständnis für diese eine Comic-Welt, und bitteschön nur in dieser (!), interessanter und komplexer gezeichnet ist als Batman selbst, was zur Folge hat, dass der Kampf zwischen Gut und Böse eine entsprechende Wechselwirkung zeigt: Batman wird, weil er zulange mit einem Monster kämpft, selbst zum Monster. Und schon kommen wir wieder zu Burton zurück, der Nietzsches populäre Sozio-These bereits einige Jahre zuvor verstand und aufgriff.

Das Figuren-(Beziehungs-)Verständnis eines Christopher Nolan, der sich eingehender um eine realistische Adaption eines Comicuniversums (schon das klingt paradox genug, um darüber lachen zu können) und das ständige Abfeuern redundanter Actionszenen ohne Herz und ohne Seele bemüht (von den zum Scheitern verurteilten Versuchen, sozialkritische Zeitbezüge herzustellen, ganz zu schweigen), ist erschreckend simpel, weil wir mit ansehen müssen, wie unüberlegt er Figuren etabliert und ihre Motive zu erklären versucht, wie schwer es ihm fällt, Figuren in eine veritable Beziehung zu einander zu setzen, oder wie völlig fremd ihm existenzielle und soziale Abhängigkeiten zwischen Charakteren sind. Und neben all diesen traurigen Missverständnissen empfängt uns im Dunkeln der Kinosäle eine furchtbar konstruierte Story, die mit einem Ende aufwartet, das vor Kitsch, Pathos und Fremdscham nicht zurückschreckt.

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