Gehört: DEICHKIND – BEFEHL VON GANZ UNTEN (2012)

Gepostet von am Feb 24, 2012 | 1 Kommentar

Gehört: DEICHKIND – BEFEHL VON GANZ UNTEN (2012)

Die Crew vom Deich hat sich mittlerweile einen Namen gemacht. Früher ein undergroundiger Geheimtipp, heute eine unermüdliche Partymaschine, die durchgehend auf Tour zu sein scheint. Eine Hamburger Formation, die als Livespektakel wohl jedem feierwilligen Menschen aus der D-A-CH Area geläufig sein dürfte. Nach zwei Stunden Deichkind geht man gefedert und durchgeschüttelt aus der Location, um nach Luft zu ringen. Und das hat seinen legitimen Grund, aber eben auch seine Tücken.


Trotz des funktionierenden Liveeffekts hat die Band spätestens nach „Noch Fünf Minuten Mutti“ (2002) aufgehört Musik zu machen, die man auf einem Tonträger gepackt kauft.
Auch wenn „Aufstand Im Schlaraffenland“ (2006) nicht nur einen Genrewechsel der Band darstellt, sondern auch gleich Wegbereiter für eine Welle überflüssiger BumBum Atzenmusik für gehirntaube (Spät-) Pubertierende war, bot die Platte doch zumindest textlich noch Höhepunkte („Musik ist unsere Waffe  und wir die Attentäter. Aus dem Establishment machen wir Hackepeter.“ aus „Krieg“), um sich auch zuhause – alleine – davon unterhalten zu lassen.

2008 kam dann „Arbeit nervt“, womit Deichkind den Fokus der Musik gänzlich vernachlässigte, um mit seinen Live-Jüngern der musikalisch verherrlichten Kollektivbewusstlosigkeit zu frönen. Ich saufe, also bin ich.

Habe ich die „Aufstand im Schlaraffenland“ noch im Regal stehen, gehört „Arbeit nervt“ mittlerweile irgendwer, der die CD für einen Euro Porto bei mir erstanden hat. Denn was zunächst nicht nur plump, sondern auch irgendwie frisch und animierend war, verlor mit dieser Fortsetzung die letzteren zwei Attribute und war meines Erachtens zum Großteil nicht mal mehr live zu gebrauchen.

Sei’s drum.

Die Jungs vom Deich haben nach knapp vier Jahren Albenpause und Besetzungswechsel ihren neuen Langspieler heraus gebracht. „Befehl  Von Ganz Unten“ heißt das gut 47 Minuten lange Machwerk von Deichkind.

Offenbar gibt es jetzt ein bisschen mehr zu erzählen, denn auch wenn die Band ihren 80er Synthiesound weiter getrieben hat, gewinnen die Texte deutlich an Intensität. Klar gibt’s auch wieder ein paar dadaistische Nummern, was bei dieser Band ja aber auch seine Daseinsberechtigung hat, sofern es im gewissen Rahmen stattfindet.

Die ersten beiden Singleauskopplungen „Illegale Fans“ und „Bück Dich Hoch“ geben die Richtung vor. Besonders letztere scheint die Vermutung nahe zu legen, dass die Band wohl eher nicht auf Plattenverkäufe angewiesen ist und mit der aktuellen Single “Bück Dich Hoch” ein herzliches Fick Dich in Richtung Universal schickt, was sie (ob PR – oder nicht) an Credibility gewinnen lässt. Außerdem gibts eine Kollabo-Nummer mit Slime. Ja, den “Bullenschweine”-, “Deutschland Muss Sterben”-Slime.

„Befehl  Von Ganz Unten“ gewinnt also ein wenig an Tiefe, ohne dass die Partylaune getrübt wird. Verwunderlich, auch wenn der beinahe schon groteske Widerspruch innerhalb der Songs irgendwie erfrischend ist. Irgendwo zwischen Bier und Schnaps wird sich das Publikum schon finden. Und wenn sie Limit spielen ist ohnehin alles egal, denn eines wird bei Deichkind authentisch groß geschrieben: Spaß! Den scheinen sie auch bei dem Videodreh zu “Bück Dich Hoch” gehabt zu haben.

Deichkind – Bück Dich Hoch:

Bild: Vertigo Berlin (Universal)

 

1 Kommentar

  1. Schön, dass das Album hier Anklang findet. Ich werde es mir direkt mal anhören :D
     
    btw: “Arbeit Nervt” ist meiner Meinung nach eines der geilsten Spaß-, Gutelaune-, und Partyalben aller Zeiten! Und dazu steh’ ich. Sicher sind die Text teilweise ziemlich assi, aber nie ohne ein Augenzwinkern und Musikalisch/Emotional ist es perfekt ausbalanciert! Es trifft vielleicht nicht jeden Geschmack, aber das Album schafft es ein Thema (Rausch und Asozialität) absolut authentisch darzustellen, und das auf allen Ebenen: Musik, Stimmen/Gesang, Texte, Emotionalität!
     
    ps: kommaregeln und so ;)
     
     

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