BREAKING BAD

Gepostet von am Nov 30, 2012 | 2 Kommentare

BREAKING BAD

Sind wir noch die Guten?

Wir würden es so gerne glauben. Deutschland als die Stimme der Vernunft auf der Weltbühne. Eine Macht des Friedens, die sich nicht zuletzt aufgrund ihrer blutigen Geschichte für die Völkerverständigung einsetzt. Wir unterstützen die Underdogs, nicht nur beim Fußball, indem wir Trinidad und Tobago die Daumen drücken, sondern auch auf der politischen Bühne, auf der wir uns für die Souveränität von Südossetien engagieren.

Die Selbstbeweihräucherung in den Medien trägt Früchte in den Köpfen der Menschen. Wir haben begonnen, uns das zu glauben. In unserer schönen kleinen Welt sind wir die Guten.

Wenn dieses Idyll seine Risse bekommt, sind wir erschüttert. Als aus Griechenland die Bilder des Protests mit deutschlandfeindlichen Parolen und Transparenten hier her gefunkt wurden, haben wir die Welt nicht mehr verstanden. Wir wollen doch nur helfen?

Bullshit.

Wir sind längst ein Reich des Bösen. „Hilfsmilliarden“ heißt bei uns ein Kredit. Und eine Belastungsprobe für die europäische Solidarität der Deutschen wird das Ganze, wenn auf Zinsen verzichtet werden muss. Kein Land hat von der europäischen Wirtschaftsunion so sehr profitiert, wie der Exportweltmeister Deutschland. Wir sind der Blutegel auf dem hypervaskularisierten Hintern der Länder, die auf den Import deutscher Güter angewiesen sind. Wir werfen den Griechen ihre unangemessene Lebensweise vor und verkaufen ihnen unsere Luxuskarossen. Gut, das funktioniert wunderbar für uns. Aber sind wir uns auch  bewusst, dass unser Handelsüberschuss deren Defizit ist? Sind wir uns der daraus resultierenden Verantwortung im Klaren und nehmen sie an?

Nein. Wir tun so, als wären wir Sankt Martin, weil wir Computergeld verleihen.

Zu Genschers Zeiten hatten sich die Deutschen irgendwie damit zurechtgefunden, dass man keine Waffen in Krisengebiete exportieren sollte. Inwieweit das schon in der Vergangenheit umgangen wurde, ist unklar. Klar ist, dass der Export von Waffen in Schwellenländer allein schon von 2011 auf 2012 um 800 Millionen gestiegen ist. Heute zelebriert unsere Regierung ganz unverblümt die Milliardendeals mit saudischen Königen, die sich in Zeiten der Arabellion für die blutige Zerschlagung sozialer Bewegungen rüsten. In den Werbevideos der Panzer wird sogar damit geworben, dass sie besonders für innenpolitische Unruhen geeignet seien. Die Rechtfertigung dafür ist: Wenn wir es ihnen nicht verkaufen, tun es die Chinesen oder Russen. Wir argumentieren wie ein Drogendealer.

Deutsche Arbeitsplätze sind unser Wert.

Was interessieren uns 100 Tote in Bangladesch, wenn das keine Auswirkungen auf die hiesigen T-Shirt Preise hat?

In einem schwierigen bewaffneten Konflikt schlagen wir uns ohne zu Zögern auf eine Seite und wundern uns dann, dass wir nicht mehr als Vermittler von beiden Seiten gesehen werden.

Nähe spüren wir schon längst nur noch zu denen, die uns ähnlich sehen, die einen ähnlichen Lebensstil haben. Die BILD schrieb in einem Kommentar zum Nahost Konflikt: „Statt Burka-Frauen flanieren selbstbewusste Mädchen in Miniröcken am Strand. Am Wochenende gibt es in Tel Aviv so viel Party wie in Berlin.“ und fordert damit Solidarität mit Israel.

Das ist der Zeitgeist. Und auch die Erklärung, wieso über Tiefdruckgebiete in den USA ein ARD Brennpunkt geschaltet wird, und humanitäre Katastrophen in Afrika lediglich über Email Newsletter von NGOs zu verfolgen sind.

2011 hat die University of Maryland in einer großen Befragung 27 000 Menschen danach gefragt, welches Land den positivsten Einfluss auf die Welt hat. An der Spitze stand Deutschland. Der erste Kommentar auf Bild.de: „Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing.“

 

Wir sind im Eiltempo dabei, diesen Kredit zu verspielen.

 

Bild: mightymightymatze

2 Kommentare

  1. wahre Worte…schön das hier jemand auch verständliche politische Bildung betreibt 😉

  2. Sie werden mir zustimmen: Es gab schon ruhigere Zeiten für Finanzdirektoren und Finanzminister. Ich meine damit nicht, dass unser Metier ein gemächliches wäre – im Gegenteil. Bereits unser courant normal ist geprägt von dauerndem Engagement für einen gesunden Haushalt und von ständigen fiskal- und finanzpolitischen Reformen.

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