7 REGELN: IM DÖNERLADEN

Gepostet von am Apr 13, 2012 | 1 Kommentar

7 REGELN: IM DÖNERLADEN

Ihr kennt das. Da geht man um 5 Uhr morgens versoffen und mit Riesenkohldampf zum Dönerladen und verstolpert sich in der hohen Kunst des multikulturellen Miteinanders. Ein nett gemeint gegröltes “aber mein Döner bitte ohne Vorhaut!” kann dann schon zu einem unbefriedigenden Geschmackserlebnis führen. Das Brot ist klein, das Fleisch fällt raus, der letzte Bissen ist nur fettiges Brot.

Es geht auch anders! Hier sind 7 (nicht ganz ernst gemeinte) Regeln, die euch ein rundherum gutes Kauferlebnis garantieren. Durchlesen, ausdrucken, mit sich führen und vorm Betreten nochmal vergegenwärtigen.

Immer vorausgesetzt, dass der Leser kein Chauvi ist, der darauf besteht seine eigenen Regeln in fremde Häuser mitzubringen.

Regel Nr.1
Die Begrüßung. Ein herzliches “Merhaba!” zaubert jedem türkischen Ladenbesitzer ein Schmunzeln ins Gesicht. Das hört er gern, so hat man sein Herz erobert und der Döner wird schmecken. Vielleicht gibts sogar Rabatt.
Nun, das ist das best-case Szenario. Verzichtet lieber auf das “Merhaba”, falls ihr nicht mehr das Wort “Döner” von “Gyros” unterscheiden könnt. Also wenn ihr euch nicht zutraut, Türken von Griechen zu unterscheiden, überspringt das “Merhaba”. Sonst droht im schlimmsten Fall ein gesundheitlich bedenkliches Gyros.
Und sogar wenn ihr bemerkt habt, dass hier Raki getrunken wird anstatt Ouzo, findet das nicht jeder kurdische Ladenbesitzer lustig, wenn er für einen Türken gehalten wird.
Aber keine Sorge, du wirst nicht der Erste sein, der Griechen und Kurden für Türken hält.
Im Zweifel also zur Begrüßung: Guten Tag, Hallo, Moin.
Meiden sollte man: 2 Döner!, Salam alaykum, Heil Hitler.

Regel Nr. 2
Das Bestellen. Es gilt die gleiche Regel, wie bei einer wissenschaftlichen Arbeit. Zuerst das Abstract in einer einfach zu verstehenden Sprache. Also die Zusammenfassung: Wie viele und was willst du haben? Auf deine etwaigen Sonderwünsche kannst du später eingehen. Keiner kann sich merken, wie viele Petersilienkrümel in deinem Kraut sein dürfen und wie viel Scoville Einheiten das Essen haben soll. Das wirst du schon noch gefragt.
Also rattere keine Liste mit Sonderwünschen runter, wenn nicht mal das Brot warm ist.

Regel Nr. 3
Das Warten. Du kannst in der Hürriyet blättern oder in irgendwelchen deutschen Gratiszeitungen, die man nicht abbestellen kann. Oder du machst dir ein Bild von der türkischen Popmusik, die wahrscheinlich im Fernsehen läuft. Falls du eher der gesellige Typ bist, kannst du natürlich auch ein bisschen Smalltalk führen. Aber bitte nicht in randvollem Zustand. Denk daran! Es geht hier um deinen Döner!
Fußball ist ein gutes Thema, aber die Aussprache der 4 großen türkischen Vereine sollte man vorher auf der Discotoilette nochmal durchgehen: Galatasaray, Fenerbahce, Besiktas und Trabzonspor. Frag den Mann hinter der Theke für welchen Verein sein Herz schlägt und versichere ihm danach, dass die ja auch die besten seien. Und freu dich schonmal auf dein Festmahl.
Ganz wichtig: Nicht von türkischer Politik anfangen. Das ist ein Fass ohne Boden. Wenn du Erdogans Armenienpolitik diskutieren möchtest, vergewissere dich zunächst, dass du dein Objekt der Begierde in Alufolie schon in Händen hältst.
Wenn arabische Schriftzeichen irgendwo hängen, verzichte auf das Thema der schleichenden Islamisierung der Türkei. Hängt da ein Bild von Atatürk, solltest du das Thema Militarismus und Kurdenpolitik meiden.
Rede doch einfach über Fußball. Oder Sarrazin. Es sei denn, du stimmst ihm zu.

Regel Nr. 4
Persönliches. Bei der Interaktion mit seinem gegenüber rutscht es vielen älteren Menschen schonmal über die Lippen: “Sie können aber gut Deutsch!”. Lasst das, es nervt. Ok, man kann die Verwunderung des Kunden bei einem akzentfrei deutsch sprechenden Dönerladen Mitarbeiter ja ein bisschen verstehen. Zumindest eher als wenn dieser Satz von einem Gymnasiallehrer, einem Patienten oder sogar der Jury des Vorlesewettbewerbs in der 5. Klasse kommt. (True story. Der Typ in der Jury hat mich tatsächlich auf der Bühne gefragt, warum ich so gut Deutsch spreche.)
Wenn man junge, hier geborene Türkischstämmige mit “Sie können aber gut Deutsch!” quält, kann man ihren Augen beim Rollen zusehen.

Regel Nr. 5
Gestus und Duktus. Eigentlich selbstverständlich. Aber nur eigentlich. Das Bitte und Danke wird nicht überflüssig, nur weil du an an den Deutschkenntnissen deines Gegenübers zweifelst. Wenn du ein Arschloch bist und dich tatsächlich wertvoller als die Menschen fühlst, die dir dein Essen zubereiten, lass es dir zumindest nicht anmerken. Auch Arschlöcher müssen essen.

Regel Nr. 6
Die Qualität. Sei kein Sparfuchs, setze lieber auf Qualität. Ein hoher Preis ist noch keine Garantie für guten Geschmack aber man kann auf einige Dinge achten. Der Spieß sollte kein Hackfleischspieß sein. Laien finden den Hackspieß immer so schön ordentlich und zart auf der Zunge. Aber im Grunde ist diese XXL-Wurst kein Döner und wie beim deutschen Bruder Bockwurst ist nicht nur das Beste vom Tier enthalten. Lieber die schön geschichteten Spieße nehmen. Lamm, Kalb, Pute oder Hähnchen. Wie es dir am besten schmeckt. Der Salat und die frischen Zutaten sollten gekühlt sein. Und nicht nur in der Nähe der Kühlung.

Regel Nr. 7
Der Abschied. Wenn alles geklappt hat, hältst du jetzt einen leckeren Döner in Silber in deinen Händen. Vergiss nicht zu zahlen, falls du vorhast wiederzukommen.
Zum Abschied sagt man übrigens nicht das allseits beliebte “Güle güle”. Das sagt nur der, der bleibt. Der Kunde, der geht, sagt: “Allaha ismarladik”…
“Tschüss” tuts auch.
Aber es gelten die Besonderheiten von Regel Nr 1.

 

Viel Spaß beim Ausprobieren und guten Appetit.

PS: Diese Regeln gelten nicht für Frauen. Die können eigentlich sagen und machen, was sie wollen. Außer “Heil Hitler.”

Bild: Flickr AndreasSchepers

1 Kommentar

  1. Regel Nr 1 sollte eigentlich sein: Betrete nie einen Dönerladen, wo du keinen Türken selbst am essen siehst. Aus hygienischen Gründen…

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