7 REGELN: BEIM ARZT

Gepostet von am Jul 29, 2012 | 1 Kommentar

7 REGELN: BEIM ARZT

Oft wird man als angehender Mediziner gefragt, ob man einen guten Spezialisten kennt für die Fachrichtung XY. Den besten Orthopäden, den einfühlsamsten Psychotherapeuten, die Koryphäe der Urologie, den Proktologen mit dem dünnsten Fingern, die Gynäkologen mit den wärmsten Händen. Schwierig zu beantworten, da jeder natürlich andere Erwartungen an seinen Arzt stellt.

Aber am besten ist es, wenn man selbst erkennen kann, ob man beim richtigen Arzt gelandet ist. Dafür sollte man einige Dinge beachten.

1. Laien- und Fachmeinung

Es gibt gewaltige Unterschiede in der Wahrnehmung von ärztlichem Können bei Laien und medizinischen Fachleuten. So kann ein Arzt, der immer alles vorher zu wissen scheint, dem man gar nicht seine Symptome wortreich und bildgewaltig erklären muss, bei seinen Patienten sehr beliebt sein. Gerade ältere Patienten freuen sich über eine asymmetrische Gesprächsführung, bei der der Arzt das Ruder übernimmt.

Auf der anderen Seite erscheint ein Arzt, der das Gespräch mit einer offenen Frage wie “Was führt sie zu mir?” beginnt, und den Patienten erstmal aussprechen lässt, allzuoft planlos und unsicher.

Die Studien zeigen, dass ein Arzt seinen Patienten nach durchschnittlich 15 Sekunden das erste Mal unterbricht. So entgehen dem Arzt natürlich  wichtige anamnestische Informationen.

Anderes Beispiel ist der laxe Umgang mit Antibiotikaverschreibungen. Wer mit einem Infekt zum Arzt geht, erwartet oftmals Antibiotika verschrieben zu bekommen und ist unzufrieden, wenn der Arzt sie nicht verschreibt. Obwohl sie bei einer viralen Infektion nicht helfen, verliert der fachlich korrekt behandelnde Arzt, der “Wunscherfüller im Kittel” gewinnt.

Das soll heißen: Symapthie und Kompetenz sollten für den Patienten erkennbar sein, aber man sollte sich doch kritisch fragen, ob der Arzt nur gefällt, weil er das tut, was man von ihm erwartet, oder ob er wirklich Kompetenz an den Tag legt.

 

2. Begrüßung

“Gehen Sie schonmal ins Zimmer 2 und ziehen Sie sich bis auf die Unterhose aus.”, sagt die Arzthelferin. Bibbernd und zitternd sitzt man in einem sterilen Raum und wartet, dass diese mehr oder weniger bekannte Person den Raum ohne Klopfen betritt und etwas mit einem macht.

Grauenhaft. Sofort wegrennen. Die Klamotten kann man ja nachkaufen.

Diese asymmetrische Situation mit riesigem Machtgefälle passt vielleicht zu einem Verhör in Guantanamo, aber nicht in eine Arztpraxis.

Der Arzt sollte trotz allen Zeitdruckes die Zeit für eine höfliche Begrüßung finden, sonst ist es sehr zweifelhaft, ob er die nötige Sorgfalt bei der Behandlung zeigen kann. Das ist ein recht einfach zu erkennendes Kriterium, um die Wertschätzung des Mediziners gegenüber seinen Patienten einzuschätzen.

 

3. Gesprächseröffnung

Das wurde oben bereits angesprochen. Nach aktueller Lehre sollte der Arzt immer eine offene Frage zur Gesprächseröffnung wählen. Nur so fühlt man sich als Patient ermutigt, wirklich seine ganze Geschichte zu erzählen, ohne die Dinge auszulassen, die einen umtreiben. “Was führt Sie zu mir?” und ähnliche offene Fragen sind ein Signal, dass sich dein Arzt eng an die aktuelle Lehre hält.

Es liegt auf der Hand, dass die Geschichte, die sich der Patient im Kopf zurechtgelegt hat nicht abgerufen wird, wenn die Frage lautet: “Wo tut’s weh?” oder “Sie schon wieder?”.

 

4. Zuhören

Der Patient muss seine Geschichte komplett erzählen können. Im Kopf des Arztes rasseln natürlich alle möglichen Diagnosen durcheinander, die er mit gezielten Fragen ausleuchten will, aber er muss sich gedulden. Vielleicht hat der Patient die Gelenkschmerzen nach einem Campingurlaub und Insektenstichen bekommen? Die dicken Lymphknoten sind eventuell nach dem Umzug in das neue Studentenwohnheim erstmals aufgetreten?

Untersuchungen zeigen, dass 80% der Diagnosen nach einer guten Anamnese gestellt werden können. Der wichtigste Teil des Anamnesegesprächs ist der Anfangsmonolog des Patienten. Also sollte euch der Arzt auch zuhören, und zwar bis man zu Ende gesprochen hat. Bei Labertaschen ist natürlich eine gezielte Themenlenkung angezeigt, aber das betrifft eher die älteren Semester. Man muss nicht unbedingt auf die Verknüpfung von Fleischwunden aus dem 2. Weltkrieg mit den aktuellen Prostatabeschwerden warten.

 

5. Sitzposition

Nichts im Arztzimmer ist Zufall. Die Sitzposition des Patienten sagt auch viel über den Umgang des Arztes mit seinen Patienten aus. Hat er etwa einen mächtigen Mahagoni Schreibtisch, der eher ins Büro von Winston Churchill passt, zwischen sich und den Patienten stehen, ist er wohl eher der Typ, der eigentlich Radiologe werden wollte. Wenn er noch dazu einen Computermonitor in das Sichtfeld zum Patienten rückt, um das Elend nicht sehen zu müssen, sollte man sich doch eher nach einem anderen Arzt umsehen.

Besser ist es, wenn der Stuhl des Patienten neben dem Schreibtisch steht, sodass der Arzt schnell auch körperliche Untersuchungen durchführen kann. Augenkontakt und Signale des Verständnisses darf jeder von seinem Arzt erwarten.

 

6. Unwohlsein

Manchmal kommt es dazu, dass sich Arzt und Patient einfach nicht grün werden. Oder eben auch zu grün werden.

Ob nun der glatzköpfige Bierbrauer im Blood&Honour T-Shirt seine Wunden an den Handknöcheln von seinem dunkelhäutigen Hausarzt mit jüdischer Abstammung versorgt haben will, oder die junge Frau bemerkt, dass sie sich plötzlich krank fühlt, wenn sie an ihren gutaussehenden Arzt denkt. Man sollte keine Angst davor haben, eine Arzt-Patienten Beziehung zu beenden, wenn sie zu Unwohlsein bei einer der Parteien führt. Und dieses Recht haben beide Seiten. Wenn der Arzt die Behandlung nicht weiterführen will, hat er meist die Größe gezeigt, seine Antipathie gegen einen Patienten zu erkennen und sich selbst einzugestehen. Am Ende dient es dem Patientenwohl.

Ohne zu schwachsinnigem Ärztehopping aufrufen zu wollen: Man sollte in seinem Arzt mehr sehen können, als einen Dienstleister, sonst ist ein Wechsel ratsam.

 

7. Therapieplanung

Ein guter Arzt wird dich als Patienten in seine Therapieplanung einbeziehen. Die “Und Basta!” Strategie ist ziemlich schiefgegangen. Bekanntermaßen landen durch diese Art der Medikamentenverschreibungen jedes Jahr Tonnen von Medikamentenpackungen ungeöffnet im Müll und belasten Umwelt und Krankenkasse.

Wenn der Arzt jedoch auch den Patienten fragt, kann man sich manche sehr teure Verschreibungen sparen. Er sollte fragen, ob du mit den Medikamenten einverstanden bist; Dosis und Nebenwirkungen sollte er mit dir besprechen. Und wenn du eine besondere Vorliebe für die rektale Applikation hast, sollte er das auch berücksichtigen.

Patienten, die derart einbezogen werden, nehmen auch öfters ihre Medikamente (korrekt) ein, werden schneller gesund und sind zufriedener.

 

K. Klassenkampf

Diese Regeln brauchen noch eine Ergänzung. Hat die Praxis deines Vertrauens getrennte Wartezimmer für gesetzlich Versicherte einerseits  und Privatversicherte andererseits? Hau ab. Egal, in welches Wartezimmer du gehörst.

 

Und damit: Gute Besserung!

 

Foto: Techniker Krankenkasse

1 Kommentar

  1. Ich brauche meinen Arzt nur, damit er mir genau die Medikamente aufschreibt, die ich vorher gegoogelt habe. Symptome etc. habe ich mir auch zusammengegoogelt.
    Klappt immer.
    /me, *high* on synthetischem Opium, Pseudoephedrin und Monoaminooxidase-Hemmern.
     
     
     

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